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Shisha und Cha Cha Cha
In Tokio gibt es fast alles. Wer dabei jetzt nur an gebrauchte Slips aus dem Automaten oder Karaoke in der Vorstandsetage denkt, verschließt sich selbst einiger Kuriositäten. Kurioseste Kombination verschiedener der japanischen Kultur fremder Elemente werden in den Bars und Clubs auf paradoxeste Weise zusammengeworfen, -gemischt, -gewürfelt und haarsträubend neu kombiniert.
In eine eben solche „Crossover“-Bar führte mich mein kürzlicher Trip nach Japan. Gerade erst im Hotel eingecheckt, bei einem ersten Streifzug durch die Stadt, kam ich wohl gerade recht zum Feierabend in eine Bar voller Anzug tragender japanischer Angestellter. Mein erster direkter Kontakt mit dieser Kultur in seinem Land, offenbarte mir nicht nur die enorme Beliebtheit der Kombination weißes Hemd, schwarze Krawatte, sondern auch, dass Kameras hier keineswegs mit den Händen verwachsen zu sein scheinen, wie man bei Städtereisen in Europa vermuten könnte. Vor allem aber fällt die ungeheuer zwanglose Freude am Ausprobieren vermeintlich westlichen Lifestyles auf.
Der Wirt dieses Lokals hatte offenbar eine sehr seltsame Reisekombination, mutmaßlich nach Ägypten und Brasilien hinter sich.
Zu südamerikanischen Rhythmen durfte hier getanzt werden, die Animateure legten auch durchaus brauchbaren Salsa, Cha Cha Cha oder was auch immer vor, was von einem Rudel ausgelassener Bürohengste auch – vorsichtig ausgedrückt – enthusiastisch „imitiert“ wurde, während für die pausierenden Afterworkbesucher an den Tischen orientalische Wasserpfeife bereitet wurden. Was mit diesen nun anzufangen sein, war zwar angesichts der Schläuche offenbar, auch glaube ich, dass es auch in Japan eine Rauchkultur in welcher Form auch immer gibt, auch wenn ich dies leider nicht nachgefragt habe, dennoch führte die Benutzung der Shisha reihum zu Husten beziehungsweise zum Gelächter der gerade nicht Hustenden. Dass ich dies für eine Gewohnheitssache hielt, stellte sich allerdings als Irrtum heraus. Die Pfeifen waren extrem schlecht bereitet und schon der erste Zug führte zu einem überwältigendem Hustenreiz. Mein Verdacht war, dass der Shisha-Tabak bereits seit Stunden benutzt wird oder von Haus aus zu trocken oder ungeeignet war, aber den Anblick des abwechselnd tanzenden und hustenden Publikums wollte ich mir davon dann auch nicht verderben lassen.
